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Neubau Stoos Hütte, Stoos

Neubau Stoos Hütte Bild 1 von 33 - grössere Ansicht öffnet die Fullscreen-Galerie

Die marty architektur ag hat den 1. Rang des Projektwettbewerbes erreicht.

Die Ausgangslage

2014 veranstaltete die Oberallmeindkorporation Schwyz (OAK) einen Studienauftrag unter vier Planern um einen Neubau für das alte Skihaus NSKZ aus 1935 zu realisieren. Die Ansprüche waren hoch. Innerhalb eines engen Kostenrahmens sollte ein herausragendes Berghotel entstehen, in dem Familien, Gruppen und Paare aller Altersgruppen in einfacher und natürlicher Umgebung ganzjährig ihre Freizeit preiswert verbringen können. Als älteste und grösste Korporation der Schweiz verfügt die OAK über grosse Holzbestände, die für den Neubau möglichst umfassend genutzt werden sollten.

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Position und Volumen

Entscheidend für die Ausformulierung des neuen Gebäudevolumens war dessen Einbindung in das alpine Umfeld. Die neue soll Hütte weniger dominant erscheinen und der Neubau sich stärker in die Landschaft eingliedern. Deshalb wurde das Gebäudevolumen abstrahiert und als spaltroher, natürlicher Holzblock ohne parallele Flächen inszeniert. Die Gebäudehöhe wurde um ein Geschoss reduziert, die Dachüberstände mit ansteigenden Trauflinien auf ein Minimum reduziert und zusätzliche Vordächer weggelassen. Die unbehandelten Fichtenschindeln der Fassade werden so zum massgebenden Gestaltungselement und prägen das Erscheinungsbild ohne dabei eine Wesensverwandtheit mit dem alten Skihaus zu verlieren.

Als Ersatzneubau ausserhalb der Bauzone durfte das Volumen um maximal 100m2 vergrössert werden und musste im Wesen dem ursprünglichen Bau entsprechen. 50 Meter die Geländekuppe hinunter verschoben und asymmetrisch auf einen neuen Betonsockel gestellt, vereint die neue Hütte nun eine urtypische Materialisierung mit einer modernen Formsprache zu einem Ausstellungsstück der OAK-Forsttätigkeit.

Material und Technik

Die neue Stoos Hüttä ist ein Holzbau durch und durch. Um dies nicht nur oberflächlich, sondern in der entsprechenden Tiefe sinnvoll und preisgünstig umzusetzen, mussten vorgefasste Meinungen hinterfragt und vertraute Vorgehensweisen überdacht werden. Dank einer kreativen Lösungsfindung und dem Mut, unkonventionelle Wege zu gehen, konnte zu knapp 90 Prozent lokales Holz der OAK für Konstruktion, Ausbau und Möblierung verwendet werden.

Die Aussenwände wurden aus vorfabrizierten Holz-Elementen zusammengefügt und im Inneren mit gebürsteter und weiss geölter Tanne verkleidet. Die Decken sind aus Brettholzträgern und die Böden mit einem Parkett aus geölter Esche - einer zu unrecht wenig beachteten Holzsorte - belegt. Beides haben Schweizer Lieferanten speziell mit lokalem Material hergestellt. Die Untersicht ist ebenfalls in weiss geölter Tanne ausgeführt und für eine verbesserte Akustik zum Teil fein gerippt. Im gesamten Ausbau verbaute man eigens produzierte Dreischichtplatten aus OAK-Fichte verbaut. In einzelnen Bereichen wurden zudem Guntliweider Hartsandstein aus Nuolen verlegt, ein Stein mit langer Tradition im Kirchenbau, der schon fast in Vergessenheit geraten ist.

Das Kernstück des Energiekonzeptes ist die hochgedämmte Gebäudehülle, die es erlaubt, zusammen mit OAK-Holz als nachhaltiger Energieträger den Minergie-Standard zu erfüllen.

Durchdachte Lowtech ermöglicht es, den Holzbau auch in der Haustechnik konsequent weiter zu führen. Ein fünf Meter hoher Wassertank ragt vom Keller bis ins erste Obergeschoss und bildet das Herz der Anlage. Seine 5'000 Liter Wasser werden durch das Cheminée im Restaurant aufgeheizt und sorgen im gesamten Haus für angenehme Wärme. Zum Einfeuern werden dafür jeweils 25 Ster OAK-Holz eingelagert.

Zusätzlich wird die Abwärme der Kühlräume und Strom aus Solarmodulen verwendet.

Struktur und Ausbau

Das neue Volumen ist in drei Funktionsebenen unterteilt. Der Sockel als zudienendes Kellergeschoss bietet Platz für die Haustechnik, Lager und Diensträume. Darüber mit direktem Zugang von Süden, liegt das Restaurationsgeschoss. Zwei unterschiedliche Gasträume bieten kontrastierende Raumerlebnisse und spielen mit Assoziationen zur Bergwelt. Der nördliche Raum für 45 Gäste wendet sich extrovertiert den Mythen zu. Grosse Fenster und eine hohe Decke öffnen den Blick auf das beeindruckende Bergpanorama, das sich auch in der gefalteten Deckenabwicklung widerspiegelt.

Im Gegensatz dazu orientiert sich der südliche Gastraum für 40 Personen stärker nach innen, zur zentralen Feuerstelle hin. Die Decke liegt niedriger und die horizontale Gliederung der Einbauten lässt hier an Holzstapel eines Sägewerkes denken.

Ein zusätzlicher Zutritt im Osten bietet den logierenden Gästen einen separaten Weg ins Obergeschoss. In 10 Hotelzimmern für bis zu 41 Gäste sind hier die Annehmlichkeiten einer Suite mit dem ursprünglichen Charme eines Hüttenlagers kombiniert und zu einer einzigartigen Raumstimmung mit flexibler Nutzung vereint. Die unterschiedlich gestalteten Räume können dank vielseitig verwendbaren Doppelstock-Einbauten von zwei bis maximal sechs Personen belegt werden. Während der untere Bereich als Aufenthalts- oder Schlafbereich genutzt werden kann, nutzt die obere Ebene die grosse Raumhöhe optimal aus und bietet eine Schlafmöglichkeit für mehrere Personen.

Auch hier sind sämtliche Gasträume ausschliesslich in Tannenholz gehalten und

sogar der Lampenschirm der Stehleuchte wurde von der Traditionsfirma Tulux speziell ausgeführt. Die strikte Reduktion der verwendeten Materialien und die dreidimensionale Raumgliederung abstrahieren die ursprüngliche, klassische Grundlage zu einem modernen Raumerlebnis, das durch Kunst zusätzlich verstärkt wird.

Kosten und Logistik

Die konsequente Element-Bauweise und die Konzentration auf den Werkstoff Holz ermöglichten es, trotz der abgelegenen Lage des Bauplatzes und dem engen Zeitfenster für Bauarbeiten, den engen Kostenrahmen einzuhalten. Sie erlaubte es, sämtliche Teile mit der Standseilbahn nach Stoos zu transportieren und vor Ort in kürzester Zeit zusammen zu fügen.

Nach nur sieben Monaten Bauzeit steht die neue Hütte rechtzeitig zur Saisoneröffnung für den neuen Pächter bereit.

Ausführung:
2013 bis 2015
Aufgabe:
Gesamtrealisation
Architektur
Wettbewerb
Bauherr:
Oberallmeindkorporation Schwyz
Bilder zum Bauablauf Projektmappe erstellen (PDF)